Mittwoch, 18. Juni 2014

[ #sucht ] Einstiegsdroge: Echtgeldfreie Glücksspielangebote im Internet

Die Studie „Nutzung von (Online-)Glücksspielen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Österreich“ liefert erstmals Grundlagendaten zur Rolle von Offline- und insbesondere auch Online-Glücksspielen in den Lebenswelten Jugendlicher und junger Erwachsener in Österreich. Die Studie untersucht, wie etabliert sowohl Offline- als auch insbesondere Online-Glücksspielangebote in den Lebenswelten 12- bis 24-Jähriger sind.

Der Zugang zu Wetten und Glücksspielen gestaltet sich heute so einfach wie selten zuvor. Wer um Geld spielen möchte, muss dafür in kein Casino mehr gehen sondern kann stattdessen eines der zahlreichen Wettbüros oder Automatencasinos besuchen. Zusätzlich hat die zunehmende Digitalisierung dazu geführt, dass auch im Internet immer neue Glücksspiel- und Wettportale verfügbar werden, bei denen man sich längst auch über mobile
Endgeräte einloggen kann.


Geringes individuelles Risikobewusstsein. Dass Glücksspiele Gefahren und Risiken bergen, wissen die jungen ÖsterreicherInnen. 9 von 10 sehen die damit verbundenen finanziellen Risiken, drei Viertel sagen, dass sich pathologisches Glücksspiel negativ auf das soziale Umfeld auswirken kann – wenn etwa SpielerInnen vereinsamen, weil sie nichts als das Spielen im Kopf haben oder damit Partnerschaften und Familienbeziehungen gefährden. Und zwei Drittel meinen, dass sich Spielen negativ auf die Leistungen in Arbeit oder Schule auswirkt.

„Das Problem dabei ist, dass man sich selbst als allen Risiken gegenüber immun wahrnimmt: typische Spielerprobleme mögen andere haben, sich selbst sieht aber niemand als gefährdet an,“ so der Studienautor Philipp Ikrath vom Institut für Jugendkulturforschung.

Schwache Männer. Für regelmäßiges Wetten und Glücksspielen bei kommerziellen Anbietern um Geld sind vor allem männliche Jugendliche und junge Erwachsene mit niedriger bzw. mittlerer Bildung im Alter von 18 bis 24 Jahren anfällig. So spielen rund 15 Prozent der männlichen Befragten wöchentlich, unter den weiblichen Befragten sind es weniger als 5 Prozent. Deutliche Unterschiede zeigen sich außerdem zwischen Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit niedriger bzw. mittlerer Bildung und solchen mit höherer Bildung. Spielen in der ersten Gruppe 14 Prozent wöchentlich, sind es in der zweiten Gruppe 6 Prozent.

Einstiegsdroge. Was riskantes Spielverhalten betrifft, gibt die hohe Akzeptanz von echtgeldfreien Angeboten im Internet zu denken. Solche Spiele bergen die Gefahr, ihre jungen NutzerInnen spielerisch mit Echtgeldangeboten vertraut und auf diese neugierig zu machen: „Wenn Jugendliche das Gefühl haben, beim echtgeldfreien Onlinepoker zu gewinnen, dann wollen sie sich auch unter Wettkampfbedingungen beweisen – das heißt, sie wollen um Geld spielen. Warum auch nicht, hier lockt schließlich ein vermeintlich leichter Gewinn", so Studienautor Matthias Rohrer vom Institut für Jugendkulturforschung. Besonders alarmierend sind hier die Nutzungszahlen unter den Minderjährigen – also gerade jener Gruppe, denen Casino- und
Automatenspiele per Gesetz verboten sind. 15 Prozent der 12- bis 17-jährigen nutzen zumindest einmal pro Monat ein echtgeldfreies Online-Angebot. Besonders beliebt sind dabei
Onlinepoker und glücksspielautomatenähnliche Angebote.

[Der Vorkoster]⇒




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