Donnerstag, 19. April 2018

[ #küche ] Österreichischer Wortschatz: Marmelade?


Vielfach wird die traditionelle Bezeichnung "Marmelade" umgangssprachlich auch für Konfitüren und Gelee verwendet.

Marmelade ist eines der ganz wenigen portugiesischen Worte (marmelada), die Eingang in die deutsche Sprache gefunden haben. Wir verdanken diese Einfuhr den in Gefolge der Inquisition aus Portugal nach Hamburg gesiedelten sefardischen Juden.

Dank der Portugiesen und ihrer Handelsaktivitäten, sahen die Hamburger damals zum ersten Mal Waren, die aus den Kolonien kamen (weswegen sie noch heute "Kolonialwaren" heißen), wie verschiedene Gewürze, Rohrzucker, Kaffee, Tabak, verschiedene Stoffe wie Kattun, Edelsteine und Korallen. Der Import dieser Luxusartikel trug dazu bei, einen feineren Lebensstil unter den Bürgern Hamburgs herauszubilden.

Es handelte sich in der Mehrheit der Fälle um Nachkommen der Juden, die seit der Zerstörung des Tempels von Jerusalem (70 n. Chr.) auf die iberische Halbinsel geflüchtet waren. Dort lebten sie Seite an Seite mit der lokalen Bevölkerung, den Keltiberern, oder mit denen, die später dazu kamen, wie die verschiedenen germanischen Stämme und die Araber (Sarazenen). Ab 1497, das Jahr, in dem Manuel I. "meine Juden" zwangstaufen ließ, um sie nicht wie im benachbarten Spanien ausweisen zu müssen, integrierten sich die portugiesischen Juden oder, besser gesagt, "Neuchristen", nachhaltig in die übrige Bevölkerung.

Unter ihnen gab es viele Geschäftsleute, die gleichzeitig Gelehrte und Intellektuelle waren, Erben und Vermittler des großen jüdisch-arabischen Wissens in den Bereichen Mathematik, Astrologie, Nautik, Geographie, Kartographie, Biologie und Medizin, und damit eine sehr wichtige Rolle bei der Öffnung der Welt spielten. Die großen neuchristlichen Handelsleute aus Portugal waren daran interessiert, ihren sozialen Status durch die Fortführung ihrer Geschäfte zu wahren, und steuerten deswegen Häfen an, zu denen sie bereits Handelbeziehungen unterhielten. Das beste Beispiel ist Antwerpen, wo es eine "natio lusitana" schon seit dem 15. Jh. gab mit einer florierenden Faktorei von fast 100 portugiesischen Firmen, die von Neu- und Altchristen geführt wurden. Aber auch Amsterdam und Hamburg, die während des spanisch-flämischen Krieges als Hauptzufluchtsort der Portugiesen an die Stelle von Antwerpen traten, verfügten über Handelsbeziehungen zu Portugal. Zu Beginn des 16. Jhs. hatte Manuel I. Hamburg Privilegien verliehen, und Hamburg wiederum schickte 1566 seinen ersten Konsul nach Lissabon.

Als einige Jahre später Eigner und Besatzung der portugiesischen Schiffe, die im Hamburger Hafen festmachten, um Aufenthaltsrecht nachsuchten, wurde ihnen dieses huldvoll gewährt. Die Tatsache, dass es sich offensichtlich um katholische "Neu-Christen" handelte, rührte die guten Lutheraner nicht weiter. Geschäft ist Geschäft! Und als man gut zwanzig Jahre später die jüdische Herkunft der Portugiesen entdeckte, gab es Protest nur von seiten des Klerus und einiger Volksführer. Der Senat selbst hielt es für angebracht, einen Vertrag mit der natio lusitana zu schließen (1612). Dieser Vertrag musste alle fünf Jahre erneuert werden und garantierte den Portugiesen Wohnrecht und volle Freiheit der Berufsausübung, legte ihnen jedoch große Beschränkungen im religiösen Bereich auf.

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